KI - Datenschutz & KI-Verordnung & Urheberrecht

5. Fachbegriffe erklärt

5.3. KI‑Modell mit allgemeinem Verwendungszweck

Die KI-Verordnung unterscheidet zwischen KI-Systemen und KI-Modellen. Ein KI-System beschreibt dabei die vollständige Anwendung, mit der wir interagieren (z. B. eine Chat-Plattform), um Ergebnisse für bestimmte Ziele zu erzeugen. Das KI-Modell hingegen ist der technologische Kern im Hintergrund, der auf riesigen Datenmengen trainiert wurde. Zur Verdeutlichung: Während GPT-4 und GPT-4o die eigentlichen KI-Modelle bezeichnen, ist ChatGPT das darauf aufsetzende KI-System. Begriffe wie 'mini' oder verschiedene Versionsnummern bezeichnen dabei meist die spezifische Generation oder Leistungsstufe des zugrunde liegenden Modells.

Für KI-Modelle beschreibt die KI-Verordnung unter Art. 3 Nr 63  den Begriff des KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck. Gemeint sind damit KI-Modelle wie z.B.  GPT-4, Claude 3 oder Llama 3, die sich durch ihr Vielseitigkeit auszeichnen. Sie können so für die unterschiedlichsten Aufgaben eingesetzt werden und lösen diese sehr kompetent. Die Verordnung stellt klar, dass dies auch jene Modelle umfasst, die durch umfassende Selbstüberwachung mit extrem großen Datenmengen (Texte aus Internetseiten, Büchern, Fachveröffentlichungen, von Nutzern online gestellten PDF, ..., Bilder, Code, Audio, ...) trainiert wurden. Modelle dieser Art eignen sich ihr "Wissen" über Sprache und Logik, vereinfacht gesagt, weitgehend eigenständig an, indem sie Muster in riesigen Datenmengen erkennen, ohne dass jeder einzelne Lernschritt durch einen Menschen angeleitet werden muss.

Spezialisierte KI-Modelle vs. Alleskönner

Der Begriff des KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck erfolgt in Abgrenzung zu spezialisierten Modellen, die für einen klar definierten, engen Einsatzbereich entwickelt wurden. Während Universalmodelle wie GPT-4 fast jede Aufgabe "ein bisschen" können, sind spezialisierte Modelle hochpräzise Experten für eine einzige Fragestellung.

Beispiel aus der Praxis: Lexplore
Das KI-Modell, welches in der Plattform Lexplore arbeitet, wurde für einen sehr engen Zweck entwickelt: das Screening der Lesefähigkeit. Es wurde mit den Daten von "nur" etwa 6.000 Schülerinnen und Schülern trainiert, um Augenbewegungen beim Vorlesen präzise zu erfassen (zu tracken).

In Kombination mit den Antworten zu Textfragen erstellt die KI eine Analyse der kognitiven Prozesse im Kopf des Kindes. Dies hilft Lehrkräften, spezifische Leseschwierigkeiten frühzeitig zu verstehen und daraus gezielte Übungen abzuleiten, um das Lesevermögen effektiv zu verbessern.
Spezialisierte Oberflächen vs. Technischer Kern

Die meisten aktuellen "KI-Lösungen für Schulen" (wie Fobizz, SchulKI oder ais.chat) scheinen auf den ersten Blick spezialisierte KI-Systeme für den Bildungsbereich zu sein. Technisch gesehen haben die Anbieter hier jedoch eine pädagogische Oberfläche entwickelt und spezifische Module voreingestellt, die im Hintergrund weiterhin auf Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck beruhen. Welche Modelle dies konkret sind, können Lehrkräfte teilweise selbst sehen und beeinflussen: Bei den Voreinstellungen für Aufgaben oder Lernassistenten lässt sich oft direkt zwischen den in die Plattform integrierten KI-Modellen auswählen. So wird sichtbar, dass das „pädagogische Werkzeug“ seine Intelligenz aus dem jeweils gewählten Basismodell bezieht.

Beispiel ais.chat:
In Plattformen wie ais.chat wurden zusätzlich Kernlehrpläne und Referenzmaterialien verschiedener Bundesländer hinterlegt. Durch spezielle "System-Prompts" (fest hinterlegte Anweisungen) wird vorgegeben, wie der Chatbot antworten soll. Dies schränkt Antworten in bestimmten Inhaltsfeldern ein oder beeinflusst sie inhaltlich so, dass sie genau zu den fachdidaktischen Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes passen.

Solche Module ermöglichen Funktionen wie:

  • Didaktisches Feedback: Analyse von Aufgaben auf Basis spezifischer Lehrplankriterien.
  • Rollenbasierte Chats: Gespräche mit historischen Figuren unter Einhaltung fachlicher Korrektheit.
  • Lernassistenten: Unterstützung, die sich am Wissensstand und den curricularen Vorgaben der jeweiligen Schulform orientiert.
  • Didaktische Planung: Erstellung von Entwürfen für Unterrichtsstunden und ganze Unterrichtsreihen, die sich strikt an den Kompetenzerwartungen und Inhalten der Kernlehrpläne des jeweiligen Bundeslandes orientieren.
  • Feedback-Assistenten: Das Modell analysiert Schülerlösungen auf Basis vorgegebener Kriterien oder fachdidaktischer Standards.

Das bedeutet, auch wenn die Anwendung durch diese Anpassungen "hochspezialisiert" wirkt, bleibt das Fundament ein KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck. Daher greifen auch hier die entsprechenden Transparenz- und Sicherheitsregeln der KI-Verordnung für diese Basismodelle.